Zusammenfassung:
Die Maturaarbeit untersucht den Abriss der jahrhundertealten Pfarrkirche St. Michael in Spiringen und den Bau der neuen Kirche in den Jahren 1950/51 als Wendepunkt der lokalen Kirchengeschichte. Im Zentrum steht die Frage, weshalb ein kunsthistorisch wertvolles Gotteshaus trotz Widerständen aufgegeben wurde. Anhand von Archivmaterialien, Zeitungsartikeln, Bauplänen und vor allem Zeitzeugeninterviews rekonstruiert die Autorin die Entscheidungsprozesse, die Rolle des Pfarrers Alois Herger sowie die Reaktionen der Dorfbevölkerung. Die Arbeit ordnet den Kirchenneubau zudem in den grösseren Kontext der Pfarrkirchenbauten im Kanton Uri im 20. Jahrhundert ein. So wird sichtbar, wie sich gesellschaftlicher Wandel, demografische Entwicklung und veränderte Vorstellungen von Kirche und Tradition in einem konkreten lokalen Ereignis verdichten.
Würdigung:
Die Arbeit ist besonders gelungen, weil sie ein lokal verankertes Thema mit hoher wissenschaftlicher Sorgfalt, breiter Quellenbasis und klarer methodischer Reflexion bearbeitet. Hervorzuheben sind die Kombination aus Archivquellen, Zeitungsrecherchen und Zeitzeugeninterviews sowie die anschauliche, sorgfältig kommentierte Bild- und Materialauswahl, die den historischen Prozess nachvollziehbar macht. Für die Öffentlichkeit ist die Arbeit interessant, weil sie exemplarisch zeigt, wie Modernisierung, Traditionsverlust und gesellschaftlicher Wandel nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Dorf konkret sichtbar werden.